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Monthly Archive for August, 2008

Streichinstrumentenspiel im 18. und frühen 19. Jahrhundert

Wesent­liche Unterschiede zwischen einer historischen Ein­richtung der Streich­instrumente und der modernen Standard­einrich­tung sind die Verwen­dung von speziellen Darm­saiten und der weit­gehende Ver­zicht auf die Hal­tung erleich­ternde Vor­richtun­gen wie zum Bei­spiel der Stachel beim Violon­cello und der Kinn­halter bei der Violine. Aus der Ver­wendung von nach histo­rischen Metho­den her­gestellten Darm­saiten entsteht allerdings die Not­wendigkeit eines Rückbaus – einer um­fassenden Verän­derung der aus­wechsel­baren Teile der Streich­instrumente – um die klang­lichen Mög­lich­keiten dieser Saiten zur Ent­faltung zu bringen.

Schon das beträcht­liche Ge­wicht eines modernen massiven Eben­holz­griff­brettes (eines der schwersten Höl­zer) trägt zur modernen Kon­zeption eines grund­tönig durch­dringenden Klang­bildes bei. Bis zum Beginn des neun­zehnten Jahr­hunderts wurden Griff­brett und Saiten­halter über einem Fichten­holz­kern in Furnier­technik herge­stellt und wogen nur halb so viel. Auch der Baß­balken, eine Ver­stärkung der Decke im Inneren des Ins­truments, kann bei Ver­wendung his­torischer Saiten moderater aus­fallen und verändert so das Schwingungs­verhalten maßgeblich. Die Decke wird weniger stark gedämpft und ermög­licht so eine in­tensivere Ver­stärkung des Oberton­spektrums der Saiten. Die Verwendung von Darm­saiten bringt indes ein em­pfindliches Problem mit sich: Das Material ist stark hygros­kopisch – es reagiert auf jede Ver­än­derung der Luft­feuchte, was sich in der Praxis durch eine Ver­änderung der Ton­höhe während des Vor­trags bemerkbar machen kann. Bei sehr hoher Luft­feuchtig­keit neigen Darm­saiten auch zu An­sprache­problemen, was oft zu un­erwünsch­ten Pfeif­tönen führt.

Wenn auch die historische Be­saitung in ihrer Hand­habung den modernen Ent­wick­lungen aus Kunst­stoffen und Metall­legie­rungen nachsteht, so liegen ihre Vor­züge in einer be­sonderen Klang­quali­tät. Der Klang der Darm­saiten ist komplexer, viel­fäl­tiger, farbiger, aber auch weniger rund, weniger schlacken­los als der Klang der modernen Saiten. Das Spiel mit Darm­saiten ist “sprechen­der” – die Töne sind deut­licher von­einander ab­gesetzt und der An­fang eines jeden Tones ist (vergleich­bar mit den Kon­sonan­ten unserer Spra­che) modulier­bar. Der kom­plexe Klang der Darm­saiten läßt erfah­rene Spieler vom zen­tralen Gestal­tungs­mittel des modernen Streich­instru­menten­spiels, dem Vibrato, weniger Ge­brauch machen. Beim his­torischen Ins­trumentarium kann der Spieler Ton­beginn und Ton­verlauf mit dem Bogen stark verändern und findet so in­dividuelle musi­kalische Gestaltungs­mög­lich­keiten. Erst die Homo­geni­tät und ton­liche Glätte der modernen Be­saitung machte das immer­währen­de, variable Vibrato als un­verzicht­baren Bestand­teil des Tones ästhetisch notwendig.

Spiel­technische Errungen­schaften bestimmten die Ent­wicklung des Streich­bogens vom archaischen Zu­behör­teil aus ein­heimischen Hart­hölzern im sech­zehnten un sieb­zehnten Jahr­hundert zum eleganten Tourte-Modell aus edlem Pernambuk­holz um 1800. Komplizier­tere Stricharten sind mit den Bogen­modellen des späten achzehn­ten Jahr­hunderts leichter ausführbar. Auch die Ton­gestal­tung, der Verlauf eines Tones läßt sich mit einem klassischen Bogen­modell leichter beein­flussen. Der Grund­klang eines Streich­instrumen­tes wird jedoch weniger vom je­weili­gen Bogen­modell als von der Material­wahl und dem Geschick des Bogen­machers bestimmt.

Am Ende des ach­zehnten Jahr­hunderts wurden sehr unter­schied­liche Bogen­typen verwendet: spät­barocke Modelle mit charak­teris­tischer Spitze, klassische Modelle mit ex­perimen­tellen Kopf­formen und die noch heute ge­bräuch­lichen, damals ganz neuen Tourte-­Modelle. Die Modelle unter­scheiden sich vor allem in der Länge, im Gewicht, der Ent­fernung der Haare von der Stange und der Biegung der Stange. Dabei kamen so unter­schied­liche Hölzer wie Eisen­holz, Schlangen­holz und Pernam­buk mit ihren spe­zifi­schen Klang­eigen­schaften zur Ver­wendung. Seit sich das Tourte-­Modell im frü­hen neun­zehnten Jahr­hundert durch­setzen konnte, er­fuhr der Streich­bogen nur noch einige Ver­änderun­gen im Detail, ledig­lich das Gesamt­gewicht eines Bogens ist heut­zuta­ge, um der größeren Saiten­spannung moderner Streich­instrumente gerecht zu werden, um etwa 10-15% erhöht.

Die Stimmtonhöhe

Im all­gemeinen kann man durch Aus­wertung von schrif­tlichen Dar­legungen und erhaltenen his­torischen Blas­instrumen­ten und Orgeln eine all­mäh­liche An­hebung der Stimm­ton­höhe (auch Kammer­ton genannt) um etwa einen Ganz­ton von a = 392′ am fran­zösi­schen Hofe des siebz­ehnten Jahr­hunderts bis zum modernen Stimm­ton a = 440′ seit dem frühen zwanzigsten Jahr­hundert belegen. Barock­musik, sei es Bach, Purcell oder Vivaldi, wird heut­zutage meistens mit der Stimm­ton­höhe 415′ musiziert; für das klassische Reper­toire geht man von einer Stimm­ton­höhe von a = 430′ aus. Irri­tierend bei der Stimm­ton­problema­tik ist die ab­weichende regionale Stimm­ton­höhe einiger bedeu­tender musika­lischer Zentren. So gibt es zum Bei­spiel Hin­weise darauf, daß der Kammer­ton in Venedig zu Anfang des ach­zehnten Jahr­hunderts bereits bei a = 440′ war, für Ham­burg nimmt man zur gleichen Zeit sogar a = 465′ an.

Historical Perspectives: Christian Ernst Graaf

Christian Ernst Graaf was born 1823 in Rudolstadt, Thuringia. He became a pupil of his father and eventually became his successor in the office of Kapellmeister there. In 1762 he was called to the Royal Court in The Hague. He died in 1802, shortly after directing one of his Oratorios in a Lutheran church. Graaf excelled both as composer and violinist. Many of his works were published in the Netherlands – Sinfonias, Ouvertures and other orchestral works, Sonatas for Violin and Piano, Variations, Duos for various instruments, Songs and Lieder; others remain unpublished. Graaf also published a treatise entitled Proeve over de natuur der harmonie in de generaal bas, benevens een onderricht eener korte en regelmatige becyfering (The Hague, 1782).

—Source: Musikalisches Conversations-Lexikon: An Encyclopedia of All Musical Sciences for the Educated of All Classes, edited and published by Hermann Mendel, Berlin 1875 (transl.)

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