Tag-Archiv für 'Wien'

Historische Perspektiven: Leopold Jansa

Jansa, Leopold, verdienst­voller Violin­virtuose und Com­ponist, geboren 1797 zu Wilden­schwert in Böhmen als Sohn eines Tuch­machers, erlernte bei dem dortigen Schul­meister Jahada die Elemente des Singens, Violin- Clavier- und Orgel­spiels. Im letzteren vervoll­kommnete er sich unter seinem Vetter, dem Organisten Zizius, wie er es auch auf der Violine als Gymna­siast durch fleissige Uebung zu grosser Fertig­keit brachte. Als Student der Rechte in Wien seit 1817 liess er sich öfter öffent­lich hören, und der Beifall, den er erhielt, befes­tigte seinen Ent­schluss, sich gänzlich der Musik zu widmen, besonders da sein Lands­mann, der Hof­organist Worzi­schek, ihm hülf­reiche Hand bot und ihn dem gelehrten Emanuel Förster zuführte, bei dem Jansa General­bass­lehre und Tonsatz zu stu­dieren begann.

Als Vir­tuose wurde er bald neben Mayseder und Böhm gerühmt, und 1823 trat er als Kammer­musiker in die Haus­kapelle des Grafen von Brunswick. Ein Jahr später wurde er bereits mit dem Titel eines kaiser­lichen Kammer­virtuosen in die Hof­kapelle gezogen, und 1834 erhielt er das Amt eines Musik­direktors und Violin­profes­sors am Uni­versitäts­convict. Schon vorher, nach Schuppanzigh’s Tode, hatte er es unter­nommen, dessen beliebte Quartett­unter­hal­tungen zu über­nehmen, und er führte dieselben mit wech­selnden Quartett­genossen bis 1849 fort, wo Heissler, Durst und Schlesinger an seiner Seite spielten. Diese Quartett­abende waren bis zuletzt in dem über­wiegend frivolen Musik­leben Wiens ein sicherer Ort wahrer und würdiger Kammer­musik und übten in ihrer periodi­schen Wieder­kehr einen bedeu­tenden Ein­fluss auf die musi­kali­sche Bildung der öster­reichi­schen Haupt­stadt aus.

Im Jahre 1849 ging Jansa zu Concerten nach London und liess sich während seines Aufent­haltes daselbst gerne bereden, auch in einem Concert zum Besten der in Folge der Revolution aus Ungarn Ver­trie­benen mitzuwirken. Dieser Akt der Huma­nität zog ihm jedoch von Seiten der öster­reichi­schen Regie­rung einen Ver­bannungs­befehl zu und er sah sich genöthigt in London zu bleiben und als Concert­spieler und Musik­lehrer seine Existenz weiter zu führen. Erst 1867 wurde er amnestirt und kehrte 1868 nach Wien zurück, wo ihn das Publikum und die Kunst­genossen ehren­voll empfingen. Er beschloss, den Rest seiner Tage in Salzburg zu verleben, suchte aber nach kurzer Ab­wesen­heit Wien wieder auf und liess sich sogar 1872 noch einmal öffent­lich hören. Er starb am 25. Januar 1875.

Geschrieben und ver­öffent­licht hat er Violin­concerte, Streich­quartette, Streich­trios und Duette, sowie auch einige Kirchen­stücke, besonders aber zahl­reiche Fantasien, Rondos, Varia­tionen, Solo­stücke und in­struk­tive Sachen für Violine, die sämmt­lich in einem gefäl­ligen Style ge­arbeitet sind und noch gegen­wärtig als anregender Unter­richts­stoff bei Lehrern und Schülern zum Theil sehr beliebt sind.

—Quelle: Musikalisches Conversations-Lexikon, Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften Für Gebildete aller Stände, bearbeitet und herausgegeben von Hermann Mendel. Berlin (1875)

Historische Perspektiven: Ernst Toch

Toch, Ernst, österreichischer Kom­ponist, geboren am 7. Dezember 1887 zu Wien, studierte Medizin und Philo­sophie und bildete sich in der Musik durchaus auto­didak­tisch, errang aber 1909 das Mozart-­Stipendium; 1910 das Mendelssohn-­Stipendium und viermal nach­einander den öster­reichi­schen Staats­preis für Kom­position. Seit 1909 lebte Toch in Frank­furt am Main und bildete sich unter Willi Rehberg zum Pianisten. 1913 ging er nach Mann­heim als Lehrer an die von Karl Zu­schneid geleitete Hoch­schule für Musik, an die er nach dem Kriege zurück­kehrte, aber sie bald wieder verließ. Er lebt seitdem als privater Lehrer der Kom­position in Mannheim. 1921 pro­movierte er zum Dr. philosophicus mit Bei­trägen zur Stil­kunde der Melodie (mit dem Titel Melodielehre, Berlin 1923, Hesse). Als Komponist ist er einer der beweg­lichsten und erfin­dungs­reichsten Bega­bungen der “Neuen Musik”, voll musikan­tischer Frische und Tem­perament, ohne negativ paro­disti­sche Ader und ist aus einer anfäng­lichen Stimmungs- und Geschmacks­kunst zu immer freierer und sicherer Aus­drucks­musik gelangt.

—Quelle: Das Neue Musiklexikon, nach dem Dictionary of Modern Music and Musicians, herausgegeben von A. Eaglefield-Hull, übersetzt und bearbeitet von Alfred Einstein. Max Hesse’s Verlag, Berlin W 15. (1926)

Hörbeispiel — Ernst Toch

Divertimento für Violine und Violoncello Op. 37, 1: Flott

Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.